Entwicklungsmodell eines halbgetrennten
Bedeckungsveränderlichen-Systems
Anmerkung: Die vier Abbildungen sind maßstabsgetreu.

Anfangskonfiguration: getrenntes Doppelsternsystem, bestehend aus zwei
Hauptreihensternen mit 2.8 Sonnenmassen (Komponente 1,orange) und 1.1 Sonnenmassen
(Komponente 2, gelb).

Die massereichere Komponente dehnt sich aus, erreicht die Roche-Grenze
und gibt Masse an ihren Begleiter ab. Die Massen der Komponenten betragen
weiterhin 2.8 bzw. 1.1 Sonnenmassen.

Der Massentransfer führt zu einer Annäherung der Komponenten,
bis diese gleich schwer sind. Die Massen beider Komponenten betragen jetzt
jeweils 1.95 Sonnemassen.

Der Massentransfer von Komponente 1 nach Komponente 2 setzt sich so lange
fort, bis sich Komponente 1 nicht mehr weiter ausdehnt. Das System ist
vorübergehend stabil, die zu Anfang masseärmere, weniger leuchtkräftige
Komponente 2 hat sich zu einem großen, hellen Hauptreihenstern von
2.5 Sonnenmassen entwickelt, während Komponente 1 zu einem Unterriesen
der Leuchtkraftklasse IV von nur noch 1.4 Sonnenmassen geworden ist. Diese
Konfiguration entspricht derjenigen von RZ Cas und qualitativ auch der
von AI Dra.
Dies ist der typische Entwicklungsweg eines halbgetrennten
Bedeckungsveränderlichen-Systems, bei dem ein heller, massereicher
Hauptreihenstern frühen Spektraltyps von einem masseärmeren,
aber weiter entwickelten Unterriesen späteren Spektraltyps umkreist
wird. Da nach allen gängigen Sternentwicklungsmodellen vorauszusetzen
ist, daß die beiden Komponenten gleichzeitig entstanden sind, ist
die an sich widersprüchliche Konstellation eines noch unentwickelten,
aber massereichen Sterns und eines bereits entwickelten, aber masseärmeren
Sterns nur durch den beschriebenen Mechanismus eines Massentransfers innerhalb
des Systems zu erklären.